Landesbeauftragter für Kinderschutz Prof. Speitkamp: Aufmerksamkeit für sexuelle Gewalt weiter schärfen

In den letzten Tagen ist ein mutmaßlicher Fall schweren Kindesmissbrauchs durch einen Heimerzieher in Ebeleben, Kyffhäuserkreis, bekannt geworden. Dazu erklärt der Landesbeauftragte für den Kinderschutz, Staatssekretär Prof. Dr. Winfried Speitkamp:

„Der dringende und schwerwiegende Tatverdacht gegen einen Heimerzieher wegen schwerer Missbrauchsvergehen gegen Kinder schockiert mich. Sollte sich der Verdacht bestätigen, zeigt der Fall einmal mehr, dass sexualisierte Gewalt kein Randthema in unserer Gesellschaft ist.

Täter*innen, wie mutmaßlich auch im Fall des hier Beschuldigten, kommen in den meisten Fällen aus dem sozialen Nahraum. Die Taten werden in der Regel sorgfältig vorbereitet und geplant. Täter*innen suchen gezielt nach potenziellen Opfern. Täter*innen schaffen vermeintlich gute Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen und nutzen vielfältige Gelegenheiten, um durch Zuwendung, betonte Fürsorglichkeit, Anerkennung und mitunter Geschenke Vertrauen vorzutäuschen und ihr gesamtes Umfeld zu manipulieren.

Junge Menschen, die ohnehin schon unter schwierigen Bedingungen aufwachsen, wie hier in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung, sollten die bestmögliche Betreuung und Begleitung erhalten. Umso verwerflicher ist die vorgeworfene Tat, wenn sie mutmaßlich durch eine Fachkraft verübt wird und Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse schamlos ausgenutzt werden.

Fachkräfte haben einen gesetzlich vorgeschriebenen Schutzauftrag zu erfüllen. Wenn sie selbst mutmaßlich zu Täter*innen werden, ist das in höchstem Maße schockierend.

Ich bin erschrocken, über welch langen Zeitraum die dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten unerkannt bleiben konnten. Deshalb sollten wir aufmerksam sein und bleiben, Signale erkennen und nachfragen, jungen Menschen Unterstützung anbieten oder vermitteln.

Schon länger wird gefordert, die Thematik noch besser in die Ausbildung und Lehre von relevanten Berufsgruppen zu implementieren. Ich stelle mich ausdrücklich hinter diese Forderung.

Thüringen setzt mit der Initiative ‚Thüringer Kinderschutzkonzept‘ auf partizipativ erarbeitete und gelebte Konzepte zum Schutz vor Gewalt in allen Einrichtungen und Vereinen bzw. Verbänden. Alle Fachkräfte, Haupt- und Ehrenamtliche sind dabei, Schutzkonzepte vorzuhalten und umzusetzen, um sichere Orte und Kompetenzorte für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu sein.   

Als Landesbeauftragter für Kinderschutz im Freistaat Thüringen appelliere ich an alle Fachkräfte und die Zivilgesellschaft, näher hinzuschauen und hinzuhören, wenn es einem Kind oder Jugendlichen nicht gut geht. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft und sollen gesund und ohne Gewalt aufwachsen.“


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