Ansprechpartner für Kinder

Jedes Kind hat das Recht auf Hilfe

Es gibt Kinder, die leben in ständiger Furcht, weil ihre Eltern sie anbrüllen, schlagen oder mit Gleichgültigkeit behandeln, sie manchmal sogar für Tage allein in der Wohnung zurücklassen. Andere Kinder trauen sich nicht mehr in die Schule, weil Klassenkameraden sie mit Gehässigkeiten und gemeinen Lügen bloßstellen und zum Außenseiter machen.

Ob häusliche Gewalt oder Mobbing auf dem Schulhof – Kinder fühlen sich oft ohnmächtig und allein gelassen. Meist ist ihnen nicht bewusst, dass ihnen Unrecht geschieht. Eher geben sie sich selbst die Schuld und schweigen aus Scham oder Angst, dass alles noch schlimmer wird, wenn sie über die ihnen angetane Gewalt sprechen. Die Botschaft, die wir als Erwachsene den Kindern mit auf den Weg geben müssen, heißt: "Du bist nicht allein, wenn Du Kummer hast!"

Es ist natürlich immer das Beste, wenn Kinder ihre Sorgen mit ihren Eltern bereden können. Wenn das unmöglich ist und ein Kind weder Tante oder Fußballtrainer noch eine andere Person hat, die es ins Vertrauen ziehen kann, hat es das Recht, in Not- oder Konfliktsituationen Beratung, Hilfe und Schutz bei Angeboten der Jugendhilfe zu suchen (siehe Rechte der Kinder). Ansprechpartner sind die Mitarbeiter in Jugendclubs, auch die Beratungslehrer an den Schulen, die Kinder- und Jugendschutzdienste oder auch das Jugendamt. Bei ihnen finden Kinder und Jugendliche Gehör, Verständnis für ihre Probleme und praktische Unterstützung.

"Du bist nicht allein, wenn Du Kummer hast!"

Bei gerichtlichen Verfahren haben Kinder in bestimmten Situationen zum Beispiel bei einer Scheidung der Eltern, Anspruch auf einen so genannten Verfahrenspfleger oder "Anwalt des Kindes" nach § 158 des Gesetzes über die Angelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) (siehe auch Trennung und Scheidung). Alle Ansprechpartner für Kinder sind verpflichtet, das Vertrauen der Mädchen und Jungen zu achten: Sie müssen die Gespräche vertraulich behandeln und sollten nicht über den Willen des Kindes hinweg Entscheidungen treffen.

Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern misshandelt, missbraucht oder vernachlässigt werden, haben außerdem die Möglichkeit, sich direkt an das Jugendamt zu wenden (siehe Jugendamt). Dort suchen die Berater gemeinsam mit den Jungen und Mädchen nach Lösungen. Sie vermitteln zwischen Kind und Eltern und zeigen zum Beispiel Wege, wie Eltern Krisen- und Konfliktsituationen besser und vor allem gewaltfrei bewältigen können. Das Recht auf Beratung steht allen Minderjährigen nach § 8 Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) zu.

Darüber hinaus bieten die Thüringer Kinder- und Jugendschutzdienste Mädchen und Jungen, die körperlich oder seelisch misshandelt, schwer vernachlässigt oder sexuell missbraucht werden, sowie Mädchen und Jungen, bei denen ein entsprechender Verdacht besteht, Beratung, Unterstützung, Hilfe und Schutz. Ihre Aufgabe ist es, Ansprechpartner zu sein, die auf die betroffenen Kinder zuzugehen und ihren Aussage zu vertrauen, die für den Schutz vor weiteren Gefährdungen notwendigen Schritte zu veranlassen, in Gesprächen und mittels persönlicher Zuwendung Hilfen zur Stabilisierung ihrer Persönlichkeit und für ihre künftige Lebensgestaltung zu geben. Sie können auch ein vertrauender und verlässlicher Helfer im zivil- und strafrechtlichen Verfahren sein. Die Kinder- und Jugendschutzdienste tragen Sorge dafür, dass die empfangenen Informationen vertraulich behandelt werden.

Kinder oder Jugendliche, die den Kontakt mit einer Beratungsstelle oder dem Jugendamt an ihrem Wohnort scheuen, können sich telefonisch (siehe auch Notruf) oder im Internet – auch ohne ihren Namen zu nennen – beraten lassen.

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