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Eine öffentliche Anzeige ist für viele Kinder die einzige Chance

Vor allem Säuglinge und kleine Kinder, die Opfer von Gewalt oder Vernachlässigung werden, brauchen Hilfe und Unterstützung von Außen. Denn kleine Kinder lieben ihre Eltern kompromisslos und versuchen nicht selten schuldbewusst, diese sogar noch zu decken. Dann ist oft genug die einzige Chance für diese Kinder, dass aufmerksame Bekannte, Nachbarn, Erzieherinnen in Kindergarten oder Hort oder Kinderärzte ihre Beobachtungen ernst nehmen und handeln, indem sie ihren Verdacht öffentlich "anzeigen".

Nicht immer ein Fall für die Polizei

Alarmierend ist in jedem Fall, wenn zum Beispiel Nachbarn hören, dass ein Kind heftig geschlagen wird. Dann sollte umgehend das Jugendamt oder die Polizei informiert werden. Doch nicht immer ist es notwendig, sofort die Polizei anzurufen und dort eine Anzeige zu erstatten. Zum Beispiel nimmt der Paketbote wahr, dass die Wohnung verwahrlost ist, oder dem Schulbusfahrer fällt ein Kind auf, das im Winter immer ohne Jacke unterwegs ist. In solchen Fällen sollten sich die Erwachsenen zunächst direkt an das Jugendamt wenden. Auf diese Weise können die Eltern unterstützt und die Kinder rechtzeitig geschützt werden, bevor die Situation außer Kontrolle gerät.

Notrufe der Thüringer Jugendämter

Die Thüringer Jugendämter sind in der Regel über die Rettungsleitstellen Tag und Nacht erreichbar (siehe Jugendamt). Ebenso wie die Polizei sind auch die Mitarbeiter des Jugendamtes verpflichtet, auch einem anonymen Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung nachzugehen. Zu ihren Aufgaben gehören immer zuerst das Gespräch mit den betroffenen Eltern, ein persönlicher Kontakt mit dem Kind und oft auch ein Hausbesuch, um sich ein Bild über die angezeigte Situation zu verschaffen. In begründeten Fällen wird in der Regel zunächst mit den Eltern überlegt, wie diese künftig besser und vor allem gewaltfrei für ihr Kind sorgen. Nur in akuten Fällen nehmen die Mitarbeiter des Jugendamtes das Kind in Obhut, das heißt, das Kind wird vorübergehend in einer Pflegefamilie oder einem Kinderheim untergebracht (siehe Helfen und Schützen).

Ein Anruf kann das Leben eines Kindes retten

Kinderschutz geht alle an. Nur wenn jeder im Alltag aufmerksam ist und Anzeichen von Kindesmisshandlung öffentlich "anzeigt", können Kinder besser geschützt werden (siehe Erkennen von Kindeswohlgefährdung). Dabei geht es nicht um Bespitzelung. Es geht um das Erkennen von Signalen und um entsprechendes Handeln. Es erfordert viel Mut, bei einem Verdacht das Jugendamt oder die Polizei zu verständigen. Wenn sich die Sorge als unbegründet herausstellt – das Weinen nur ein kindlicher Wutausbruch war – dann ist es gut. Bestätigt sie sich aber doch, dann war die Meldung vielleicht sogar lebensrettend (siehe Folgen von Kindeswohlgefährdung).

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