Lernprobleme

Wenn Kinder die Lust am Lernen verlieren

Immer still zu sitzen und zuzuhören, war ihr einfach zu langweilig. Von den Buchstaben gar nicht zu reden: den einen sah sie als eine Geiß an, den anderen als Raubvogel. Dass sie richtig zusammengesetzt Worte bilden sollten, die man lesen konnte – das ging nicht in Heidis Kopf. So wie die kleine Titelheldin in Johanna Spirys berühmten Roman, haben auch heute viele Kinder Probleme mit der Schule und mit dem Lernen.

Alarmzeichen, dass etwas nicht stimmt

Dass Kinder sich im Unterricht nicht wohl fühlen und nur ungern zur Schule gehen, kann viele Gründe haben. Ein plötzlicher Leistungsabfall, Schuleschwänzen, Bettnässen, vorgeschobene Bauchschmerzen oder Tränen bei den Hausaufgaben sind deutliche Alarmzeichen. Spätestens dann ist es wichtig, dass Eltern und Lehrer genau hinsehen und nach den Ursachen fragen. Oft liegen diese im direkten Lebensumfeld des Kindes. Vielleicht belasten Partnerschaftsprobleme der Eltern, Hänseleien durch Mitschüler oder ein häufiger Lehrerwechsel. Wenn sich ein Kind weigert am Sport, Schwimmen oder an Klassenfahrten teilzunehmen, kann auch Vernachlässigung oder häusliche Gewalt dahinter stecken. Das Kind fürchtet, sich mit seiner unpassenden Sportkleidung zu blamieren oder dass Lehrer und Mitschüler die blauen Flecken auf seinem Rücken entdecken. Lernprobleme können aber auch relativ banale Ursachen haben. Eine Sehschwäche zum Beispiel, das Kind braucht einfach eine Brille. Möglicherweise entspricht auch das Lernangebot der Schule nicht den individuellen Fähigkeiten und Begabungen des Kindes: Jeder Schüler lernt anders, manchmal nehmen Lehrer darauf zu wenig Rücksicht. Hinter einer vermeintlichen Lernschwäche oder Auffälligkeit kann sich auch eine Hochbegabung verbergen.

Eines der wichtigsten Ziele von Schule sollte sein, dass die Kinder ihre Lust am Lernen bewahren. Diese kann ihnen jedoch vergehen, wenn sie sich unverstanden fühlen, Eltern und Lehrer Hilferufe ignorieren oder falsch interpretieren. Jungen und Mädchen, die in der Grundschule zum Beispiel starke Probleme beim Lesen und Schreiben oder beim Rechnen haben, leiden häufig unter Vorurteilen und werden als "dumm" oder "faul" abgestempelt. Rechenschwäche (Dyskalkulie) und Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) oder AD(H)S (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit und ohne Hyperaktivität) sind jedoch Teilleistungsstörungen, die nichts über die Intelligenz eines Kindes aussagen, und die es mit liebevoller Unterstützung und professioneller Hilfe erfolgreich überwinden kann.

Wenn Kinder Probleme mit dem Lernen haben, ist der erste Ansprechpartner für Eltern zunächst die Schule: Dort stehen ihnen Klassen- oder Fachlehrer, Beratungslehrer zur Seite, um gemeinsam nach Ursachen zu forschen und angemessene Lösungen zu finden. Bei den staatlichen Schulämtern ist ein Schulpsychologischer Dienst eingerichtet. Dieser unterstützt und fördert im Rahmen von schulzentrierter Beratung (Unterrichtshilfe und Beratung der Lehrkräfte) durch Anwendung psychologischer Erkenntnisse und Methoden die pädagogische Arbeit an den Schulen. Der Schulpsychologischen Dienst hat zudem die Aufgabe der schülerzentrierten Beratung (Einzelfallhilfe).

Wenn die Hilfsmöglichkeiten, die Schule bietet, ausgeschöpft sind, haben Eltern die Möglichkeit, außerschulische Hilfen zu beantragen.Wenn ein Arzt eine Lernstörung mit Krankheitswert diagnostiziert, kann die Krankenkasse die Kosten der Therapie übernehmen.Auch über die Jugendhilfe können Eltern Unterstützung und Förderung für ihr Kind beantragen. So können Nachhilfe, lerntherapeutische oder erzieherische Hilfe auch von staatlicher Seite finanziert werden, wenn durch die Einschränkung ihrer seelischen Gesundheit die Teilhabe am gesellschaftlcihen Leben beienträchtigt oder dies zu erwarten ist. Rechtliche Grundlage dafür ist § 35 a. Die entsprechenden Anträge auf Eingliederungshilfe können Eltern beim zuständigen Jugendamt stellen.

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